Teil 3 der Mini-Blog Serie: Tierrettung geht uns alle an - Warum sie unverzichtbar ist

19. Februar 2025
Tierrettung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, doch sie bringt auch Hürden mit sich – insbesondere, wenn es um Zuständigkeiten und Finanzierung geht. Oftmals stoßen wir auf Fälle, in denen ein Tier dringend Hilfe benötigt, aber unklar ist, wer zuständig ist und wer die Kosten übernimmt.

Wer ist verantwortlich?
Viele unserer Einsätze fallen in eine Grauzone, in der sich weder Privatpersonen noch Behörden zuständig fühlen. Ein verletzter Hund am Straßenrand? Ein ausgesetztes Haustier ohne Besitzer? Eine kranke Taube mitten in der Stadt? 


Teil 3: Das Problem der Zuständigkeiten und finanziellen Verantwortung

Kommunen und Behörden sind oft nur in bestimmten Situationen verpflichtet, für die Kosten aufzukommen, etwa wenn es sich um ein Fundtier handelt oder eine akute Gefährdung für den Menschen besteht. In anderen Fällen bleiben wir als Tierrettung oft auf den Kosten sitzen – oder müssen den Einsatz schweren Herzens ablehnen bzw. weiterleiten. 

Einsätze weiterleiten – die harte Realität
Es kommt immer wieder vor, dass wir Einsätze ablehnen oder weiterleiten müssen, selbst wenn sie in unserem Nahbereich liegen. Nicht, weil wir nicht helfen wollen, sondern weil klare Zuständigkeiten existieren, an die wir uns halten müssen.
Die Abholung und Unterbringung von Haustieren wird durch Verträge zwischen den zuständigen Behörden und Tierheimen geregelt. Doch bevor ein Tier überhaupt untergebracht werden kann, muss es erst einmal transportiert werden. Diese Aufgabe übernehmen Tierrettungen, die für Transporte ausgestattet sind und die nötige Sach- und Fachkunde besitzen. 
In einigen Städten und Kommunen ist genau festgelegt, wer für welchen Schritt verantwortlich ist. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Tierart: Jagdbares Wild fällt beispielsweise in den Zuständigkeitsbereich des Jagdausübungsberechtigten der jeweiligen Stadt oder Kommune.

Doch nicht immer funktioniert diese theoretische Rettungskette in der Praxis. In solchen Fällen bleibt der Bürger mit der Situation allein – ohne klare Ansprechstelle oder schnelle Hilfe.
Verzweifelte Tierfreunde wenden sich dann an uns, in der Hoffnung, dass wir das Problem lösen können. Doch auch wir haben keine rechtliche Handhabe, willkürlich Tiere abzuholen oder unterzubringen, wenn es dafür bereits festgelegte Zuständigkeiten gibt. Alles, was wir tun können, ist, die Bürger an die entsprechenden Stellen zu verweisen. Leider stoßen wir dabei oft auf Unverständnis oder sogar Kritik. Wir werden beschuldigt, ein Tier im Stich zu lassen – dabei sind wir selbst nur ein Teil eines Systems, das nicht immer reibungslos funktioniert. Als das schwächste Glied in der Kette tragen wir die Verantwortung für eine Situation, die eigentlich von höheren Stellen geklärt werden müsste.

Für uns als Tierrettung ist es eine bittere Realität: Wir wollen helfen, aber ohne ausreichende finanzielle Mittel ist es unmöglich, jeden Einsatz durchzuführen. Und letztendlich leidet darunter das Tier – genau das, was wir eigentlich verhindern wollen.

Während Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienste aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, steht die Tierrettung oft vor einer anderen Realität: Keine staatliche Unterstützung, fehlende klare Finanzierungsmodelle und ein permanenter Kampf um Gelder. 
Die meisten Tierrettungen in Deutschland sind private oder gemeinnützige Organisationen, die nicht aus Steuergeldern finanziert werden. 
Das bedeutet, dass unsere Arbeit nicht automatisch durch öffentliche Mittel oder die Kommunen getragen wird, obwohl wir eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe erfüllen.

Ein unfaires System für Mensch und Tier.
Dieses Zuständigkeitsproblem ist nicht nur für uns frustrierend, sondern auch für die Tiere, die dringend Hilfe brauchen. Wenn sich Kommunen, Behörden oder Privatpersonen gegenseitig die Verantwortung zuschieben, verliert das Tier wertvolle Zeit – und im schlimmsten Fall sein Leben.

Es braucht klare Regelungen, damit Tierrettungen nicht ständig um ihre Daseinsberechtigung kämpfen müssen. Eine bessere finanzielle Unterstützung und geregelte Zuständigkeiten könnten dafür sorgen, dass kein Tier aufgrund bürokratischer Hürden auf der Strecke bleibt.



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